02
Mrz 2022

»Virenträger in ‘Gain of function-Denk-Fabriken’«

Thema: Gesundheit & Politik

 

»Wir müssen uns bei unseren Kindern und Jugendlichen entschuldigen!« Der Not- und Aufruf eines Lehrers!

Von Gerald Ehegartner

Die Mutation der Schutzbefohlenen von Hoffnungs- zu Virenträgern

Ich beginne diesen Text mit einer mittlerweile ungeheuerlichen Aussage: Nicht die Kinder sind verpflichtet uns zu schützen – sie sind im Gegenteil unsere Schutzbefohlenen.

Vor kurzem sah ich in einer Doku, wie Elefanten ihre Kleinsten umringten, bevor Wilderer das Feuer auf sie eröffneten. In Zeiten jedoch, wo unsere Hoffnungsträger zu Virenträgern in „Gain of function-Denk-Fabriken“ gedreht wurden, gelten bei uns Menschen um 180 Grad gedrehte Regeln. Fairtrade ist out, verdreht in.

Kinder und Jugendliche werden seit zwei Jahren als Allerletzte wahrgenommen, man lässt sie im Regen stehen und interessiert sich vorwiegend als Impfkunden für sie.

Die Auswirkungen der Maßnahmen

Sie wurden in eine Art solidarische Geiselhaft genommen und vom deutschen BMI abwärts als Gefährder geframed, die durch bloße Anwesenheit ihre Großeltern töten könnten. Nun wissen wir – in Wahrheit schon seit den Primatenstudien – dass dieser Impfstoff keine sterile Immunität herzustellen vermag und Kinder kaum von Corona betroffen sind.

Eine Meta-Studie der Johns Hopkins University kommt zu dem Schluss, dass Lockdowns und Schulschließungen die Sterblichkeit um „nur“ 0,2 Prozent senken konnte. Wer diese Meta-Studie nicht glauben kann, der wage einen Blick nach Schweden, das – nebenbei bemerkt – einen höheren Urbanisierungsgrad als Deutschland aufweist. Schweden hatte keine Pflichtschulschließungen, keine Lockdowns und keine Maskenpflicht – und trotzdem im Vergleich eine geringere Corona-Sterberate als Österreich. Auf der Schulden-Seite des Kontos sehen wir jedoch immense wirtschaftliche, soziale, psychologische, kulturelle, demokratiepolitische und sogar ökologische Schäden.
Der virologische Tunnelblick hat uns in eine schicksalshafte Sackgasse geführt.

Die einzigen wahren Triagen, die wir je hatten, waren und sind in den Kinder- und Jugendpsychiatrien zu finden, die aus allen Nähten platzen. Mittlerweile muss oftmals eine Suizidgefährdung vorliegen, um überhaupt noch einen Therapieplatz zu erhalten.
Erst vor kurzem berichtete mir ein Begräbnisleiter, dass er den Tod eines Jugendlichen zu beklagen hatte, der sich aufgrund der Maßnahmen das Leben nahm.

Vergessen wir auch nicht die Kinder im „Globalen Süden“.
Oxfams Bericht „The Hunger Virus“ zeigt, dass alleine schon 2020 infolge der sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie-Maßnahmen – wie Massenarbeitslosigkeit, Zusammenbruch der Lieferketten usw. – etwa 121 Millionen Menschen an den Rand des Verhungerns getrieben wurden. Besonders viele Kinder und Frauen mussten ihr Leben lassen, während laut Oxfam die Reichsten der Reichen ihr Vermögen seit Beginn der Pandemie verdoppeln konnten.
Vor unser aller Augen zelebrieren wir ein modernes Kinderopfer für einen „Corona-Todes-Kult“.

Der verdrängte Tod und der Abgesang an die Empathie

Der aus Angst verdrängte Tod wird aus der Mottenkiste geholt und in ein Corona-Kleid gewandet, denn mit nichts lässt sich die Masse so sehr manipulieren wie mit der Angst.
Nur: Zu leben heißt ebenso zu sterben. Und dies ist nicht zynisch gemeint. Wir werden uns vom Tod auch transhuman nicht entledigen können. Jeder Versuch mündet in Empathielosigkeit.
Wo ist unser aller Mitgefühl, möchte man in die Kälte der Nacht rufen? Wer steht für unsere Kinder und Jugendlichen ein?

Der Verlust des Menschseins bei Kindern und Jugendlichen

Sie wurden angehalten Abstand zu halten, nur durch Masken zu atmen, keine Partys zu feiern, sich nicht zu umarmen. Man brachte sie um Schullandwochen, Schikurse, Sprachreisen, Maturabälle [Matura=Abitur], Abschlussfeiern, Ausflüge, Musik- und Turnunterricht usw. In Österreich wurde der Sportunterricht während der Omikronwelle eine Zeit lang nur mit Maske erlaubt. Nicht wenige Kinder, deren Lehrer diesen Irrsinn mitgetragen haben, fielen dabei in Ohnmacht, zeigten körperliche Beschwerden. Man fragt sich, welch empathieloses Geisteskind in der Regierung eine solche Idee nur ausbrüten konnte. Wie weit gehen wir Lehrer eigentlich mit?
Würden wir den Kindern auch Wäscheklammern auf Nasen zwingen, wenn die Regierung dies verlangt?
Sportlehrer berichten seit einiger Zeit, dass die körperliche Verfassung der Schüler katastrophal ist. Einfache Bewegungsabläufe schaffen viele nur mehr ungenügend. Auch um die Fitness ist es schlecht bestellt.
Das Vereinsleben kollabierte. Sport-, Musik- und Freizeitvereinen fehlen die Kinder. Musikschulen vermelden, dass so wenige Kinder wie nie zuvor sich für das Erlernen eines Instrumentes begeistern können. Sie hatten zwei Jahre lang keine Möglichkeit, Schulkonzerte zu besuchen und Freude am Erlernen eines Instrumentes zu erwerben.

Generell war auch spontanes Handeln für unsere Lebendigsten aufgrund der Regelungen schier nicht mehr möglich. Die Ablösung vom Elternhaus, das Treffen in Peer-Groups wurde unterbunden. Man versperrte ihnen den Weg ins analoge Leben – und trieb sie vor die Bildschirme in eine digital-virtuelle Welt. Wird man irgendwann auch diese reglementieren – mittels digitaler ID und der Einforderung von biometrischen Daten?
Einen Teil der analogen Welt durften sich junge Menschen zurückholen, wenn sie nur brav waren, sich anpassten und sich impfen ließen.
Erstmals in der Weltgeschichte sollten sich Kinder und Jugendliche also nicht für ihre Gesundheit, sondern gegen verordnete Maßnahmen in einer Art „Schutzgelderpressung“ impfen.

Die Schule als Testkompetenzzentrum und die Vermessung der Kinder und Jugendlichen

Die WHO schlich sich nach der OECD als weiterer Global Player in die Schulen, um unsere Kinder zu vermessen. Nun werden nicht bloß kognitive Fähigkeiten, sondern der Körper selbst getestet. Lehrer verrichten dabei als Handlanger eine Arbeit, für die sie nicht ausgebildet wurden. Die Schule verkommt immer deutlicher zu einem Testkompetenz-Zentrum. Alles, was Spaß machen könnte, wurde und wird unterbunden. Das alleinige Funktionieren steht an oberster Stelle, die Lebendigkeit fürchten wir wie der Teufel das Weihwasser.
Dies führt zu Traumata, die unserer jetzigen jungen Generation Lebensjahre kosten werden, leider von keinem der neuen Propheten – den Simulationsexperten und Modellierern – öffentlich hochgerechnet!

Die österreichische Bundesregierung hat nun vollmundig, die Presse berichtete freudig, 15 Millionen Euro in die Hand genommen, um mehr Therapieplätze zu schaffen. Alleine, dass pro Woche die Tests für Schulen etwa denselben Betrag verschlingen, entlarvt die Aktion als unverschämte PR-Kampagne.

Konkrete Folgen der Maßnahmen

Mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen leidet laut Studien an Depressionen, Schlafstörungen und Ängsten. Diese sind jedoch nur in verschwindend geringen Fällen auf Long-Covid zurückzuführen. Vielmehr bemerken wir die Folgen eines „Long-Lockdown“, die Folgen von posttraumatischen Belastungsstörungen, wie z. B. in Studien von Dr. Thomas Radtke und Dr. Jakob P. Armann mit Team der Dresdner Uniklinik gezeigt.
Noch nie war der Wert der Schule als Lern- und Begegnungsort so offenkundig wie nach unzähligen Lockdowns und Quarantänen, die auch für Lehrer immer wieder eine enorme Herausforderung darstellen.
Ebenso hat die Zahl der Selbstverletzungen, Suizidversuche,
Magersuchtserkrankungen – sowie die Gewalt gegen Kinder im eigenen Wohnraum – dramatisch zugenommen.
Verhaltensauffälligkeiten stehen an der Tagesordnung. Zwischen Depressionen und Aggressionen pendelnde Kinder und Jugendliche machen es auch für Eltern, Lehrer und Erzieher immer schwieriger, den Raum für diese zu halten.

Während bedenkliche Entwicklungsverzögerungen bei Kleinkindern in der Pandemie empirisch belegt werden können, be- und verhindern wir Bildungskarrieren bei Schülerinnen und Schülern – besonders in Brennpunktschulen.
Der Fremdsprachenunterricht mit Maske oder hinter dem Bildschirm hat an Qualität massiv verloren. Sprachheilkinder schlittern noch tiefer in Sprachschwierigkeiten. Der Verlust der Mimik führt nicht nur zu sprachlichen Defiziten, er führt auch in kommunikations-psychologische Problemfelder, die wir nur erahnen können.
Mittlerweile sehen wir Kleinkinder, die Erwachsene ohne Mund und Nase zeichnen.

Es wird immer offenkundiger: Wir erziehen unsere Kinder zu funktionierenden Robotern, nehmen ihnen ihre Lebendigkeit. Wollte man früher an den Schulen so wie auch in den Kirchen noch brave Schafe, so sind es nun Funktionsroboter. Auch angehende Sklaven brauchen ein Update.
Da wundert es nicht, was Kollegen unter der Hand erzählen: Viele Religionslehrer fordern „solidarischen“ Gehorsam am vehementesten ein. Der Begriff „Unter-richt“ zeigt in dieser Hinsicht seine dunkle Bedeutung. Wir richten nach unten. Nur, wer richtet unsere Kinder wieder auf?

Ressourcenausbeutung versus Potentialentfaltung

Seit dem Bologna-Prozess werden Kinder vermehrt als Kompetenzbündel geframt. Der Begriff der Kompetenz entspringt der Wirtschaftswelt der 50-er-Jahre und steht für einen reibungslosen Ablauf im Wirtschaftsgetriebe. Wie passend in einer Zeit der Verzweckung und Ressourcenausbeutung anstelle von Potentialentfaltung.
Der Weg vom Kompetenzbündel zum Datenpaket ist also nicht mehr weit. Dann werden die Kinder wohl eingespeist in einen reibungslosen Informationsfluss, der in Lichtgeschwindigkeit ablaufen soll. Mit Bildung, Charakterreifung und selbständigem Denken hat dies nichts mehr zu tun. Der neue Lehrplan hinterlässt keine Bilder mehr, er ist kalt, ohne jede Poesie und lässt zentralisierte Tests anonym vermessen.
Er verliert in doppelter Bedeutung immer mehr sein Gesicht, während sich geräuschlos eine Technokratur breit macht, von vielen noch unbemerkt. Nicht umsonst entdecken globale Player wie die Gates-Stiftung die Schulen als neue Data-Mining-Pools, Kinder als neue Bodenschätze.
Pädagogen berichten, dass nach einem positiven Test Schüler weinend auf ihren Plätzen sitzen, bevor sie isoliert werden. Was richten wir hier an? Welchen seelischen Schmerz, welches Körpergefühl vermitteln wir ihnen? Während unsere Kinder auf ihren Körper reduziert werden, nehmen wir ihnen ein natürliches Gefühl für diesen.

Können wir Lehrer damit leben, wenn Schüler irgendwann nicht mehr getestet werden, nachdem wir über Jahre auf Masken und Tests konditioniert wurden? Seit Anfang März brauchen in Österreich geimpfte und genesene Lehrer – vorübergehend? – keine Maske mehr zu tragen, ungeimpfte Lehrer aber sind verpflichtet, ihren Impfstatus durch Zurschaustellung der Maske öffentlich zu machen. Eine Demütigung jenseits des Datenschutzes.
Wie viele geimpfte Lehrer werden aus Angst die Maske weiterhin tragen?

Der Schaden der Masken übertrifft bei Kindern den Nutzen bei weitem. Während politische Treffen ohne Masken abgehalten werden, sitzen und saßen unsere Kinder stundenlang mit Maske im Unterricht. Die Testungen verschlingen wertvolle Unterrichtszeit, der Plastikabfall ist besorgniserregend.

Die Spitze des Eisbergs

Wer besonders in Deutschland, das neben China, Schweden und Nordkorea eine Schulbesuchspflicht einfordert, neue Wege geht, hat es schwer.
Im Jänner stürmte eine etwa 30 Mann starke, schwarz vermummte Polizeieinheit einen traumhaften, nicht erlaubten Lernort in Bayern und verwandelte diesen in einen Albtraum. Die Polizisten waren bewaffnet mit Schlagstöcken und Maschinenpistolen, um danach die Kinder vier Stunden lang festzuhalten, zu verhören und von ihren Eltern zu trennen.
Dieser Umgang mit unseren Kindern ist nur die Spitze des Eisbergs. Lehrer, die Kinder ausschließlich in großen Abständen zur Toilette gehen lassen, da sie sich mit Corona anstecken könnten, die in Schulnachrichten und Zeugnissen eine große Zahl an Verhaltensnoten vergeben, da die Kinder die Masken nicht korrekt trugen, die die Kinder am Schulhof in eigens abgetrennten Feldern warten lassen und ließen – all dies spricht eine deutliche Sprache.

Manche Pädagogen fragen in einer völligen Aushebelung des Datenschutzes vor der Klasse den Impfstatus der Schüler ab, um diese danach zu mobben oder einem Mobbing auszusetzen.
Die Lehrerschaft selbst ist auch gespalten. Ungeimpfte Pädagogen geraten
unter massiven Druck, dem viele nicht mehr standhalten können.
In Deutschland ist der Fall eines ungeimpften Lehrers bekannt, der hinter einem fahrbaren Plexiglas-Fahrgestell unterrichten musste, extra für ihn angefertigt in einem Werkraum der Schule.

Erweiterung des Diskriminierungsverbotes auf den Impfstatus

In den allgemeinen Menschenrechten finden wir Diskriminierungsverbote aufgrund von Rasse, Hautfarbe, Religion, Herkunft, sexueller Orientierung usw. Ich denke, wir müssen die Diskriminierungsverbote um den Impfstatus erweitern!
Niemand sollte das Recht besitzen, aufgrund von diesem einen Menschen auszugrenzen und zu diskriminieren. Erstaunlicherweise schließen Universitäten mit 2G-Regelungen ungeimpfte Studenten aus, während sie sich Inklusion, Toleranz, Gender und Diversity auf ihre Fahnen heften. Sind wir vielleicht nicht so gut, wie wir gerne denken?

Sucht sich unser meist unbewusster kollektiver Schatten immer wieder neue Projektionsflächen, neue Sündenböcke, weil wir ihn nicht angenommen, integriert und geheilt haben? Besonders dann, wenn dies geradezu erlaubt und erwünscht ist.

Infantilisierung, „Terra Nullius“ und die Dystopie des totalen Gehorsams

Die österreichische Bundesregierung hat mit ihrer Angstpädagogik auch eine Infantilisierungspolitik vorangetrieben. Der Babyelefant als Abstandhalter und der Ninja-Pass als Stickeralbum sind ein klares Zeichen dafür.
Kinder und Jugendliche, die sich impfen lassen, erhalten den großen, goldenen Sticker als Belohnung. Ich habe nun mit Freunden einen noch schöneren Sticker entwickelt, auf dem ein Kind ohne Maske zu sehen ist und über dem das Wort „gesund“ zu lesen ist. Kein Kind ist ein leeres Feld, das nur mit einer Impfung ganz werden kann. Unser Körper ist keine Terra nullius, kein Niemandsland, dessen Territorium strategisch angeeignet und erobert werden darf. Im Kern ist jeder gesund, krank meist nur vorübergehend. Der Sticker soll darauf hinweisen.
Die Angst Erwachsener darf übrigens nicht unsere Kinder tyrannisieren. Die Angst legt nicht die Grenzen der Kinder fest.

Während die Kinder unter all den erwähnten Maßnahmen leiden, stellt sich die Frage, ob wir nicht die Falschen therapieren. Sollten wir nicht jene therapieren, die die menschenverachtenden Maßnahmen setzen, statt jene, die darunter leiden?
Nicht die Kinder sind krank, die Gesellschaft ist es. Wir haben in einer Opferhaltung den Falschen die Führung in die Hände gelegt. Nun leben wir in einer Kakokratie – einer Herrschaft der Schlechtesten. Wagen wir doch die Utopie einer herrschaftsfreien Welt anstatt der Dystopie des totalen Gehorsams gegenüber äußeren Autoritäten!

Die freie Meinungsäußerung wurde zu einer gefährdeten Spezies. Wer dies nicht zu glauben vermag, der probiere einfach an einer Schule eine maßnahmen- oder impfkritische Erörterung zu formulieren oder mit Lehrern zu diskutieren, die eine andere Meinung vertreten.

Demokratie war noch nie die Stärke der Schule, auch wenn sie sich diese groß auf die Fahne heftet. Gewählte Klassensprecher werden meist bloß zu organisatorischen Arbeiten verpflichtet, Schulsprecher zu rein repräsentativen Zwecken herangezogen.

Schüler und Lehrer begehren kaum noch auf.
Nur, seit wann sind Konformität und Gehorsam wieder so hoch im Kurs?
Statt funktionale Kompetenzraster auszufüllen und visuell aufzupeppen, lesen wir doch mit den Schülern „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegenüber dem Staat“ von Henry David Thoreau. Oder diskutieren wir Hannah Arendts Interpretation von Kant mit der Conclusio: „Niemand hat das Recht zu gehorchen.“
Erklären wir den Kindern „Mein Körper gehört mir“ und erzählen wir den Jugendlichen vom „Nürnberger Kodex“.

Die Welle“ eignet sich alleine wegen des Namens und der vielen Wellen in dieser Zeit hervorragend, um neu interpretiert zu werden. Mit den Kleineren unter uns lässt sich auch trefflich über Pippi Langstrumpf diskutieren.
Oder haben wir Angst vor wirklich mündigen Schülern, deren Münder ehrliche und eigene Gedanken verlassen? Verabschieden wir uns doch vom unfruchtbaren Land der kognitiven Dissonanz, ziviler Ungehorsam ist unsere moralische Pflicht!
Pädagogen steht es übrigens zu, das Remonstrationsrecht in Anspruch zu nehmen, welches nicht nur ein Recht, sondern auch eine Pflicht darstellt. Sieht der Pädagoge eine Weisung als rechtswidrig an, so hat er vor Befolgung dieser seine Bedenken anzumelden.

Lebendiges Leben statt Gehorsamskult

Es ist an der Zeit, den Gehorsamskult zu verlassen, den inoffiziellen Lehrplan des Gehorsams umzuschreiben und die Sehnsucht nach Freiheit nicht als unsolidarischen Egoismus zu framen. Wir werden mit Corona leben lernen müssen, denn wir können uns nicht ewig tot stellen, um dem Tod zu entrinnen. Seit zwei Jahren befindet sich ein altbekannter Patient nun auf der Intensivstation: das gelebte Leben.

Lassen wir die Kinder wieder frei und lernen wir von ihnen, wie lebendig das Leben sein kann.
Ich fordere das Ende aller Maßnahmen, nicht nur als vorübergehende Taktik, um den Druck aus dem Kochtopf zu nehmen. Ich fordere dies zur Gänze.
Der rein virologische Tunnelblick hat uns selbst zu einem Virus gemacht, zu einem Virus der Angst – blind für die Ganzheit und Würde des Lebens.

Ich möchte mich bei jenen Eltern, Erziehern und Lehrern bedanken, die den Gehorsamskult nicht mitgetragen haben, sondern in diesen Zeiten den Kindern und Jugendlichen eine Oase, einen Schutz bieten konnten und können. Oftmals unbemerkt.
Dies ist eine äußerst schwierige Aufgabe, die Seelen der Kinder aber werden ein großes Danke sagen.
Ich bedanke mich auch bei jenen, die mutig Gesicht zeigen, um dem Unheilvollen das Handwerk zu legen. Jeder Einzelne ist entscheidend und kann ein lebensfeindliches System zum Kippen bringen.
Ja, es ist ein erschütternder Befund – und ja: Wir haben es mit einem Verbrechen an unseren Jüngsten zu tun, die kaum an Corona leiden, dafür aber in einem dramatischen Ausmaß an den Maßnahmen. Unsere Neurosen und Ängste, unsere Gehorsamspflege, veredelt als Solidarität, dürfen niemals Gradmesser für unsere Kinder sein.

Das Ende der Empathielosigkeit

Diese Empathielosigkeit muss ein Ende nehmen – und jene, die diese orchestriert haben, müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Und wehe denen, die unsere Kinder aus moralischer Selbstüberhöhung und geblendet von einer selbstgefälligen Täuschung am Altar der Scheinheiligkeit opfern. Ein heiliger Zorn wird sie erfassen.
Wenn die Nebel vorübergezogen sind, dann haben wir ungemein viel aufzuräumen. Wir werden das Wort Nebel wieder rückwärts lesen und das Leben feiern. Wir werden unseren Glauben aufgeben dürfen, die eigenen Schatten mittels immer neuen Sündenböcken, die wir in die Wüste treiben, loswerden zu können. Der Krieg gegen unsere eigenen, nach außen projizierten Schatten, ist ein infantiles Schattentheater, das nicht allzu selten gekonnt bespielt wird und als Schattenmarionettentheater endet.
So werden Medien, Politiker sowie nationale und internationale Entscheidungsträger und Organisationen mit ehemals großen Namen eine Zeit der Asche erleben.
Intellektuelle und Künstler werden sich bis auf wenige dem Vorwurf stellen müssen, warum sie erneut scheiterten.
Deutschland und Österreich werden sich zu fragen haben, wann sie endlich die Zwangsjacke des preußischen oder habsburgisch-katholischen Gehorsamswahns abzulegen gedenken.
Und wir alle werden uns fragen müssen, ob wir beim nächsten Akt der Empathielosigkeit wieder der Verkleidung erliegen werden. Vielleicht erscheint der Mangel an Mitgefühl das nächste Mal auf der Bühne sogar in das Gewand der Empathie-, Kooperations- und Umweltkompetenz gekleidet…

Die überfällige Entschuldigung bei unseren Hoffnungsträgern

„Es würde viel weniger Böses auf Erden getan, wenn das Böse niemals im Namen des Guten getan werden könnte“, schrieb einst die österreichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach.
Darum seien wir wachsam und prüfen wir, ob die Würde unserer Kinder trotz großer Worte und Versprechungen unangetastet bleibt.
Und so wünsche ich mir eine Gesellschaft, die wieder unsere Jüngsten als Hoffnungs- statt Virenträger erkennt und sie an die erste Stelle reiht. Nicht die Kinder und Jugendlichen müssen uns schützen, sie sind unsere Schutzbefohlenen.
Wir müssen uns bei ihnen aus tiefstem Herzen entschuldigen, ihnen zur Seite stehen.
Viele wussten in ihrer Ignoranz und Selbstgefälligkeit nicht, was sie taten, einige jedoch sehr wohl!

Quellen:

https://sites.krieger.jhu.edu/iae/files/2022/01/A-Literature-Review-and-Meta-Analysis-of-the-Effects-of-Lockdowns-on-COVID-19-Mortality.pdf 

https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/coronavirus-long-covid-betrifft-kinder-weniger-stark-als-angenommen-a-dcb3415c-b488-45e5-915c-d7182cf29f5a 

https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2782164 

https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.05.11.21257037v1 

https://www.oxfam.de/presse/pressemitteilungen/2020-07-09-neue-hunger-epizentren-covid-19-mehr-menschen-koennten

https://www.spektrum.de/news/covid-19-die-generation-pandemie/1973911?fbclid=IwAR2zp8HTqk29EVV2ecTIniw5Ch8ODdbYB8bk2xl7wpCNy-TPgA_wEdJRJnI 

Gerald Ehegartner ist Lehrer, Wildnispädagoge, Visionssucheleiter und Autor der Romane „Kopfsprung ins Herz – Als Old Man Coyote das Schulsystem sprengte“ und „Feuer ins Herz – Wie ich lernte, mit der Angst zu tanzen“ sowie der Neuerscheinung „Gedanken in einer (w)irren Zeit – tiefsinnige und humorvolle Texte zu brisanten Themen unserer Zeit

Fotohinweis: Lisa M. Atteneder-Schwödiauer


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Sunshine ☀️
Sunshine ☀️
2 Monate zuvor

Toller Artikel, auf den Punkt gebracht, was mit unserer Gesellschaft los ist.

Cornelia Gruschke
Cornelia Gruschke
2 Monate zuvor

Dieser Artikel spricht mir aus den Herzen!!!