05
Sep 2022

»Wie können die es wagen, Frau Sharav auf diese Weise anzugreifen«

Thema: Gesundheit & Politik

Mit Empörung hat der Berliner Liedermacher Karsten Troyke, europaweit bekannt für seine Pflege jiddischen Liedguts, auf die Angriffe gegen Vera Sharav durch Medien und jüdische Organisationen reagiert.  “Diffamierende Artikel ausgerechnet einer Nürnberger Zeitung zu schreiben, ist unsäglich,” sagte der Künstler im Klartext-Interview.

Er forderte dazu auf, sich mit den Warnungen von Vera Sharav inhaltlich auseinanderzusetzen. Es gehe darum, so Troyke am 29. August in einer Ansprache vor der Berliner Gethsemane-Kirche, “sich anständig zu verhalten gegenüber einer älteren, erfahrenen Person, es geht um Nachdenken, Zuhören und Wünsche für die Zukunft!”

Im Interview nimmt Troyke auch Stellung zu Vorwürfen der Gemeinde der Gethsemane-Kirche an die Adresse der Montagsdemonstranten. Diese seien “schräg”, sagt Troyke. 1989 habe er selbst gemeinsam mit anderen an der Kirche gesungen und demonstriert. Dass nun jenen, die für die persönlichen Grundrechte demonstrieren, vorgeworfen werde, sie seien rechtsradikal, veranlasste Troyke dazu, sich mit den Demonstranten zu solidarisieren. “Jeder soll so leben, wie er leben mag”, zitierte Troyke einen seiner Musiktitel. “Querdenker, Antifa und Antisemitismus” sind Worte, die in ihrer Bedeutung mißbraucht, verdreht und in ihrer Bedeutung verkehrt worden.

Rede von Karsten Troyke am 29. August 2022 vor der Gethsemanekirche in Berlin für Vera Sharav: 

Ich war 10-15 Jahre lang immer wieder sozusagen das Kulturprogramm des Vereins „Child Survivors Deutschland“, deren Mitglieder als Kinder den Holocaust überlebt hatten, damals sehr junge, ehemalige Partisanen waren und sogenannte „rassisch Verfolgte“. Sie trafen sich im hohen Alter, um ihre Traumata zu besprechen. Auch sie werden jetzt immer weniger, der Verein kann nicht mehr aufrecht erhalten werden und wir geben ihre Erinnerungen weiter. Alle hatten aber auch starke Meinungen zur Tagespolitik. Vera Sharav, geboren in Rumänien, in den USA lebend, ist auch so ein „Child Survivor“ der Shoa. Sie hat am 20. August 2022 in Nürnberg auf der Kundgebung zum 75. Jubiläumsjahr des „Nürnberger Kodex“ gesprochen. Es war das erste Mal in ihrem Leben, dass sie Deutschland besuchte.

Der Kodex über medizinische Experimente besagt, dass „die freiwillige Zustimmung der Versuchsperson unbedingt erforderlich ist. Das heißt, dass die betreffende Person im juristischen Sinne fähig sein muss, ihre Einwilligung zu geben; dass sie in der Lage sein muss, unbeeinflusst durch Gewalt, Betrug, List, Druck, Vortäuschung oder irgendeiner anderen Form der Überredung oder des Zwanges, von ihrem Urteilsvermögen Gebrauch machen kann; dass sie das betreffende Gebiet in seinen Einzelheiten hinreichend kennen und verstehen muss, um eine verständige und informierte Entscheidung treffen zu können.“

Daran erinnerte Vera Sharav und sagte unter anderem:

„Der Holocaust begann nicht in den Gaskammern von Auschwitz und Treblinka. Dem Holocaust gingen neun Jahre der schrittweisen Einschränkung der persönlichen Freiheit und der Aufhebung der Gesetze und Grundrechte voraus. Die Bühne wurde durch Angstmacherei und Hasspropaganda bereitet.

Der Zweck von Holocaust-Gedenkstätten besteht darin, künftige Generationen zu warnen und darüber zu informieren, wie eine aufgeklärte, zivilisierte Gesellschaft in ein völkermörderisches Universum verwandelt werden kann, das von absoluter moralischer Verderbtheit beherrscht wird.

Wenn wir einen weiteren Holocaust verhindern wollen, müssen wir die bedrohlichen aktuellen Parallelen erkennen, bevor sie das Gefüge der Gesellschaft vergiften.

Diejenigen, die erklären, dass Holocaust-Analogien „tabu“ sind, verraten die Opfer des Holocausts, indem sie dessen Bedeutung leugnen.“

Dann sprach sie über Yuval Harari („überflüssige Menschen“), Klaus Schwab und seine Mächtigen, den direkten und indirekten Impfzwang und verglich Zyklon B mit den mRNA-Impfungen. Sie sagte:

„Wenn wir uns nicht alle zur Wehr setzen, geschieht das ‚Nie wieder‘ genau jetzt.“

Man kann ihr zum Thema mRNA zustimmen oder nicht, man kann die Einzigartigkeit des Holocaust immer wieder betonen und man kann trotzdem – und tut es auch, jedenfalls in den linken Kreisen, in denen ich aufgewachsen bin – alles Geschehen daran messen, um zu sagen „Wehret den Anfängen!“

Die Mainstreammedien nennen solche Gedanken seit mindestens 2 Jahren „Holocaust-Relativierung“ und erklären es auch zu einem neuen Strafbestand. Sie rücken es in die Nähe der Holocaust-Leugner, nennen all das andauernd rechtsradikal. Überhaupt sind jetzt alle immer Leugner, die nicht der offiziellen Linie zustimmen: Coronaleugner, Klimaleugner, Wissenschaftsleugner, Kriegsleugner usw.

Die Nürnberger Nachrichten schrieben: „Rednerin hat die Shoa geleugnet und relativiert“ und verschwiegen, dass sie jüdische Überlebende ist.

Andere behaupten, sie benutzt ihr Jüdischsein für antisemitischen Beifall o.ä.

Nein, es geht nicht um „Kronzeugen“ für Antisemitismus oder so etwas, es geht darum, sich anständig zu verhalten gegenüber einer älteren, erfahrenen Person, es geht um Nachdenken, Zuhören und Wünsche für die Zukunft.

Vera Sharav war geschockt, wie ich später hörte, dass ausgerechnet sie jetzt auch in so eine rechtsradikale Ecke gestellt wurde.

Ich singe für sie ein jiddisches Lied, das ich von einem anderen „Child Survivor“ lernte, von Sara Bialas sel.A., in dem Lied heißt es: „Nein, meinen Geist könnt ihr nicht töten, nur meinen Körper vielleicht einmal (In Tfisse – Im Gefängnis).“

https://youtu.be/9dCfF_JKhFk

 


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goalive
goalive
29 Tage zuvor

Kinder und Enkel dieser Child Survivors kennen die Wahrheit noch.