01
Okt 2021

»Ein Test für uns, wer wir als Menschen sind!«

Thema: Gesundheit & Politik

Am gestrigen 30. September haben Künstler und Fachleute aus unterschiedlichen Berufen eine weitere Aktion gestartet, um Debatte in unserer Gesellschaft zu initiieren. Obwohl nicht ausdrücklich so bezeichnet, kann man #allesaufdentisch nur als Follow-up (Folge) von #allesdichtmachen sehen. Auch in anderen Kulturen wird ein ähnlicher Mangel an Gespräch und Gemeinsamkeit beklagt.

Wir dokumentieren nachfolgend einen bemerkenswerten Text des schottischen Archäologen und Publizisten Neil Oliver. Zugriffszahlen zeigen, dass Voice-Over-Synchronisationen beim Publikum offenbar gut ankommen. Dennoch empfehlen wir ausdrücklich die sprachlich wundervoll schottisch gefärbte Originalversion der Rede.

Von Neil Oliver

Die Menschen sprechen mit mir über die kommenden Monate und den kommenden Winter. Viele fürchten einen Winter der Unzufriedenheit. Sie fürchten sich vor der Dunkelheit und davor, was die Dunkelheit bringen könnte. Die Probleme der letzten Wochen waren schwer genug, sagen sie, obwohl die Sonne schien und es leicht war, draußen zu sein. Aber wie wird es sein, wenn die Tage kurz und die Nächte lang sind?

Ich sage, der Herbst und der Winter, die vor uns liegen, werden das sein, was wir aus ihnen machen. Es wird ein Test für uns sein, wer wir als Menschen sind. Ich behaupte, dass der Winter uns in allem, worauf es ankommt formen könnte – und formen sollte. Wir sind jetzt gespalten. Es geht nicht mehr nur um physische Trennungen. Die Meinungen haben sich so verhärtet, dass wir nicht mehr miteinander reden können. Diese Spaltungen ziehen sich durch Familien, verlaufen zwischen Freunden und Nachbarn. Die Meinungsverschiedenheiten sind so enorm, dass es einfacher geworden ist, manche Menschen ganz zu meiden.

Ich sage, dass dies kein Zufall ist. Unsere Politiker haben ihr Möglichstes getan, um Keile zwischen uns zu treiben. Abgesehen von ein paar Wochen zu Beginn hatte das Auseinandertreiben nichts mit Gesundheit zu tun, sondern damit, uns demoralisiert, in Angst und hilflos zu halten. Wenn man sie darauf anspricht, werden sie sagen, dass es zu unserem eigenen Besten war. Ich sage, dass es eine schlechte Sache war, die nur schlechte Ergebnisse gebracht hat. Ich glaube nicht, dass die Kneipen und Restaurants und die anderen Orte, an denen sich die Leute zum Reden treffen, jemals eine Gefahr für die Gesundheit waren. Menschen, die zusammenkommen, bleiben vielleicht zusammen. Ein Stock allein ist leicht zu brechen, aber ein Bündel von Stöcken ist unzerbrechlich. Wenn wir physisch zusammen sind, kommunizieren wir auf eine Weise, die über einen Computerbildschirm unmöglich ist. Wir wurden daran gehindert, uns zu versammeln, und so ist der Klebstoff, der die Gemeinschaften zusammenhält, abgeplatzt. Zu viele sind einander fremd geworden, sogar zu Feinden.

Unseren Führer und ihren Beratern fehlt es an Empathie, an der Fähigkeit zu fühlen, was andere fühlen. Entweder das, oder es ist ihnen egal, welchen Schmerz sie verursacht haben, was noch schlimmer ist. Es ist an der Zeit, dass die religiösen Führer, zumindest mehr von ihnen, sich für die Einsamen und Ausgegrenzten einsetzen. Gotteshäuser haben die heilige Pflicht, ihre Arme zu öffnen. Was ist schon eine Kirche ohne Gemeinde? Nur ein leeres Gebäude. Ich sage, es liegt jetzt an uns, auf jede erdenkliche Weise zusammenzukommen und uns und einander daran zu erinnern, dass es keinen Grund gibt, sich machtlos und hilflos zu fühlen. Jeder von uns muss mindestens einen Gleichgesinnten finden. Für den Anfang mag dieser eine andere schon ausreichen. Das Wichtigste ist, sich zu treffen und sich von Angesicht zu Angesicht auszutauschen.

Ich werde mich keinem Lockdown mehr fügen. Ich spreche nicht von militanten Aktionen. Mein Widerstand wird friedlich und ruhig sein. Von allem, was seit März letzten Jahres passiert ist, haben uns die Lockdowns am meisten geschadet. Den meisten Menschen geht es jetzt schlechter als vorher, sei es in Bezug auf ihre körperliche Gesundheit, ihre mentale Gesundheit, ihre finanzielle Situation, ihre Beziehungen zu Familie und Freunden oder als Kombination aus all dem. Von allen Dingen hat die erzwungene Trennung, das Verbot des Zusammenseins mit unseren Mitmenschen am meisten geschadet haben. Zu viele Menschen sind vereinsamt worden.

Daheim habe ich einen Korb voller Briefe, und jeden Tag kommen weitere von Menschen, die niemanden hatten, mit dem sie reden oder ihre Gedanken teilen konnten. Ich bin froh, dass sie mir geschrieben haben, aber es bricht mir das Herz zu wissen, dass so viele es für das Beste hielten, einen Brief an ein Gesicht aus dem Fernsehen zu schicken. Allerdings habe ich das Gefühl, dass jeder Absender eines jeden dieser Briefe jetzt ein Freund von mir ist, ein Seelenverwandter. Aber es ist beschämend, dass so viel Elend und Angst über so viele Menschen und über so lange Zeit hinweg angehäuft worden ist. Die Einsamkeit trieft von den Seiten. Ich kann ehrlich gesagt nicht glauben, dass irgendjemand irgendwo auf unsere Situation schauen und annehmen kann, dass es das Beste war.

Wenn es um Impfpässe geht, bin ich ihnen weit voraus. Damit meine ich, dass die Einführung von Impfpässen in meinem Heimatland Schottland mich von nicht einem einzigen Ort ausschließen wird, an dem ich sein möchte. Ich sage, dass ich mich nirgendwo freiwillig aufhalten werde, wo eine solche Schande auch nur von einem eizigen Bürger verlangt wird. Wenn es sein muss, bin ich lieber draußen an der frischen Luft. Möge der Wind wehen und der Regen fallen, es ist mir egal. Ich wäre lieber draußen in der Welt mit Gleichgesinnten als an irgendeinem Ort, an dem es vor dem Betreten heisst: Ihre Papiere, bitte. Ich würde ebensowenig einen Ort aufsuchen, an dem meine Papiere verlangt werden, wie ich einem Hundekampf zuschauen würde. Das sind keine Orte, an denen ich mich aufhalte.

Lokale und Unternehmen, die Menschen ausschließen, egal ob freiwillig, oder aufgrund von staatlicher Anordnung, werden scheitern. Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen, aber bald werden sie eingehen. Ich habe Kneipen, Restaurants, Theater und dergleichen geliebt. Und wenn die Atmosphäre stimmt, werde ich sie wieder lieben. Aber in diesem Winter, wenn sie die Türen für diejenigen schließen, die als unrein gelten, dann werde ich woanders sein.

Wenn ich zu Hause bin, wird meine Tür nicht verriegelt sein, sie wird meinen Freunden offen stehen. Zuhause ist sowieso mein Lieblingsort. Manchmal werde ich zuhause bei Freunden sein. In jedem Fall werde ich den Raum mit jenen teilen, die ich liebe. Wir werden gemeinsam essen und trinken und uns in der Wärme des Feuers und des Ofens wohlfühlen. Wir werden über das reden, was wichtig ist.

Unsere Gesellschaft ist vor Tausenden von Jahren aus einem solchen einfachen Miteinander entstanden, und sie wird aus demselben Nährboden wieder wachsen. Ich habe keine Angst, nicht vor dem Winter, nicht vor langen, dunklen Nächten. Das Heilmittel für all unsere Übel ist das Miteinander, die Einbeziehung und nicht die Ausgrenzung. Ich sage: es ist ganz einfach! Wir müssen Wege finden, um zusammen zu sein. Wie vereinsamt und allein man uns auch fühlen machen wollte: wir sind viele. Wir sind genug. Wir sind mehr als genug!

Aus dem Englischen übersetzt von Uwe Alschner

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3 Kommentare
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Ute Plass
Ute Plass
2 Monate zuvor

Danke, sehr berührend.
Versende ich an viele Menschen, damit auch diese sich berühren lassen. ☀️

Undine Moses
Undine Moses
1 Monat zuvor

super, spricht mir aus dem Herzen. Ist auch meine Meinung.